Die akute Pankreatitis gehört zu den häufigsten akuten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die eine stationäre Behandlung erforderlich machen. Eine ihrer wichtigsten Ursachen sind Gallensteine. Seit mehr als einem Jahrhundert geht man davon aus, dass ein Gallenstein beim Austritt aus der Gallenblase vorübergehend den gemeinsamen Abflussbereich von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang an der sogenannten Papilla Vateri blockiert. Der dadurch entstehende Sekretstau kann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen. Dieses klassische Modell erklärt jedoch nicht alle Fälle. Insbesondere bei sehr kleinen Steinen – der sogenannten Mikrolithiasis – findet sich häufig keine relevante mechanische Blockade. Dennoch können auch diese kleinen Gallensteine eine akute Pankreatitis auslösen. Wie dies geschieht, war bislang nur unzureichend verstanden.
Untersuchungen menschlicher Gewebeproben zeigten bei Patientinnen und Patienten mit Mikrolithiasis-bedingter Pankreatitis im Vergleich zu Pankreatitiden anderer Ursachen eine vermehrte Entzündungsreaktion im Bereich der Papilla Vateri, der gemeinsamen Mündung von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang. Dabei fand sich eine verstärkte Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms, eines zentralen Bestandteils der angeborenen Immunantwort. In Zellkulturexperimenten konnten Cholesterin- und Bilirubinatkristalle – wesentliche Bestandteile von Mikrolithiasis – diese Entzündungsreaktion direkt aktivieren. Ein neu entwickeltes Mausmodell bestätigte die charakteristische Entzündung der Papille auch in vivo. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Mikrolithiasis eine akute Pankreatitis nicht ausschließlich durch mechanische Abflussbehinderung, sondern durch eine lokale, NLRP3-vermittelte Entzündung der Papille („Papillitis“) auslösen kann. Damit eröffnet die Studie ein neues Verständnis der Entstehung der biliären Pankreatitis und mögliche Ansatzpunkte für zukünftige diagnostische und therapeutische Strategien.