Neues bundesweites Register erfasst erstmals systematisch assistierte Suizide
Das soll sich nun ändern: Seit dem 1. September 2026 ist das bundesweite „Register für Assistierte Suizide (RegAS)“ online. Über das RegAS-Portal können in Deutschland stattgefundene assistierte Suizide strukturiert und anonymisiert erfasst werden. Das Register schafft damit erstmals eine bundesweit einheitliche Datengrundlage, um die Praxis des assistierten Suizids besser zu verstehen. Erfasst werden unter anderem sozio-demographische und klinische Merkmale, Beweggründe der betroffenen Personen, die Rolle der assistierenden Person sowie Ablauf und Rahmenbedingungen des assistierten Suizids.
„Wir brauchen verlässliche Informationen, um die Praxis des assistierten Suizids besser zu verstehen und transparent zu machen“, erklärt die Projektleiterin Prof. Claudia Bausewein vom LMU Klinikum München. „Das Register kann helfen, Versorgungsbedarfe sichtbar zu machen und Unterstützungsangebote weiterzuentwickeln – insbesondere für Menschen, die einen assistierten Suizid erwägen.“
Fachpersonen und weitere Beteiligte können Fälle ab sofort melden
Für die Aussagekraft des Registers ist eine möglichst umfassende Datengrundlage entscheidend. Daher sind insbesondere Ärztinnen und Ärzte, Suizidassistenz-Leistende, Sterbehelfer, Mitarbeitende aus Hospiz- und Palliativversorgung, Beratungsstellen sowie weitere Fachpersonen, die mit assistierten Suiziden befasst sind, eingeladen, entsprechende Fälle über das RegAS-Portal zu melden.
Die Inhalte des Registers wurden im Projektverlauf gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen entwickelt und abgestimmt. Ziel war es, eine Erfassung zu ermöglichen, die zugleich wissenschaftlich aussagekräftig, verständlich und im beruflichen Alltag praktikabel ist. Suizidassistenz-Leistende haben so die Möglichkeit, eigene Erfahrungen aus der Praxis sichtbar zu machen und zu einer realistischen Abbildung der Suizidassistenz in Deutschland beizutragen.
Wissen schaffen – Prävention stärken
Die gewonnenen Daten sollen nicht nur die Entwicklung und Verbreitung des assistierten Suizids in Deutschland sichtbar machen. Sie sollen auch dazu beitragen, Risikofaktoren und Versorgungslücken zu erkennen, Unterstützungsangebote weiterzuentwickeln, Erkenntnisse für die Suizidprävention zu gewinnen und fachliche und gesundheitspolitische Entscheidungen auf eine verlässliche Datengrundlage zu stellen.
Das Vorhaben ist Teil des Förderschwerpunkts „Suizidprävention stärken“ und unterstützt die Umsetzung der Nationalen Suizidpräventionsstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit.
Deutschland schließt damit zu internationalen Entwicklungen auf. In Ländern wie Österreich, den Niederlanden oder Kanada werden bereits seit Jahren systematisch Daten zum assistierten Suizid erhoben und ausgewertet. Die dort gewonnenen Erfahrungen zeigen, welchen Beitrag verlässliche Daten zur fachlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema leisten können.
Jetzt Fälle registrieren
Das RegAS-Portal ist seit dem 1. September 2026 geöffnet. Fachpersonen sind eingeladen, sich zu informieren und Fälle assistierter Suizide über das Register zu melden. Zum RegAS-Portal: https://register-assistierte-suizide.de/
Das Projekt „Register für Assistierte Suizide (RegAS)“ startete am 1. September 2025 und wird von einem Forschungsverbund umgesetzt. Beteiligt sind das LMU Klinikum München, die Universitätsklinika Köln und Düsseldorf, das Werner-Felber-Institut e.V., die Deutsche Akademie für Suizidprävention sowie die Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Kontakt
Prof. Dr. med. Claudia Bausewein
Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum München