Für Patienten
Behandlung mit den eigenen Zellen
Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sollen mit einer Zell- oder Gentherapie behandelt werden, oder Ihre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt hat diese Möglichkeit angesprochen. Auf diesen Seiten erfahren Sie, welche Erkrankungen wir am LMU Klinikum im Rahmen einer Zell- oder Gentherapie behandeln, wie eine solche Therapie abläuft und was vor und nach der Behandlung auf Sie zukommt.
Ob eine Zell- oder Gentherapie für Sie geeignet ist, entscheidet eine Konferenz von Fachärztinnen und Fachärzten verschiedener Fachrichtungen. Grundlage sind Ihre Erkrankung, Ihre bisherigen Behandlungen und Ihr Gesundheitszustand.
Das Ergebnis erhalten Sie über Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Kommt eine Therapie für Sie infrage, erhalten Sie weitere Informationen über den genauen Ablauf und die nächsten Schritte.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Je früher Ihre behandelnde Praxis oder Klinik Kontakt mit uns aufnimmt, desto mehr Spielraum bleibt für die Vorbereitung. Fragen Sie nach, ob eine dieser Therapien für Ihre Erkrankung grundsätzlich infrage kommt.
So erreichen Sie uns
Der Weg zu uns führt über Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt. Bitten Sie sie oder ihn, Kontakt mit uns aufzunehmen.
Allgemeiner Kontakt
Wichtig: Dieser Mailkontakt ist nicht für medizinische Notfälle bestimmt. In diesen Fällen wählen Sie bitte die 112.
Fragen und Antworten
Bei einer CAR-T-Zelltherapie werden Abwehrzellen aus Ihrem Blut entnommen, im Labor so verändert, dass sie Krebszellen erkennen, und Ihnen als Infusion zurückgegeben. Die Zellen bleiben im Körper und arbeiten dort weiter. Bei einer Gentherapie werden Blutstammzellen entnommen, im Labor verändert und zurückgegeben, damit sie einen angeborenen Fehler ausgleichen.
Beide Verfahren sind aufwendig. Zwischen Zellentnahme und Rückgabe liegen mehrere Wochen, in denen die Zellen hergestellt werden. Nach der Infusion bleiben Sie zur Überwachung im Krankenhaus oder in dessen Nähe. Und beide Verfahren können Nebenwirkungen auslösen, für die unser Zentrum ein eigenes Team hat.
Das hängt von der Erkrankung, den bisherigen Behandlungen und Ihrem Gesundheitszustand ab. CAR-T-Zelltherapien sind in Europa für bestimmte Formen von Lymphomen, Leukämien und des Multiplen Myeloms zugelassen, meist wenn andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben oder die Erkrankung zurückgekehrt ist. Die Gentherapie ist für schwere Verläufe der Beta-Thalassämie und der Sichelzellkrankheit zugelassen. Für weitere Erkrankungen werden diese Therapien in klinischen Studien geprüft.
Ob eine Therapie für Sie infrage kommt, prüft unsere interdisziplinäre Konferenz. Dazu gehört auch die Frage, ob Ihr Allgemeinzustand die Behandlung zulässt.
Eine CAR-T-Zelltherapie nutzt Ihre eigenen T-Zellen, weiße Blutkörperchen, die Krankheitserreger und veränderte Körperzellen erkennen. Im Labor erhalten sie einen zusätzlichen Rezeptor, den chimären Antigenrezeptor (CAR). Mit ihm erkennen sie ein bestimmtes Merkmal auf der Oberfläche der Krebszellen und können diese Zellen angreifen. Vor der Infusion erhalten Sie eine kurze Chemotherapie, die im Körper Platz für die neuen Zellen schafft. Danach vermehren sich die veränderten Zellen im Körper.
Die Gentherapie bei Thalassämie und Sichelzellkrankheit setzt an den Blutstammzellen an, aus denen die roten Blutkörperchen entstehen. Nach der Veränderung im Labor bilden sie wieder mehr funktionsfähigen roten Blutfarbstoff. Damit die veränderten Stammzellen im Knochenmark anwachsen, ist vorher eine Chemotherapie nötig.
Typisch für die CAR-T-Zelltherapie ist das Zytokin-Freisetzungssyndrom. Es entsteht, wenn die aktivierten Immunzellen Botenstoffe ausschütten, und zeigt sich meist mit Fieber, manchmal mit Blutdruckabfall oder Atemnot. Seltener betreffen Nebenwirkungen das Nervensystem, etwa mit Verwirrtheit, Sprachstörungen oder Krampfanfällen. Beides tritt überwiegend in den ersten Tagen und Wochen nach der Infusion auf, deshalb werden Sie in dieser Zeit engmaschig überwacht. Über Wochen bis Monate können außerdem die Blutwerte niedrig bleiben, was das Infektionsrisiko erhöht.
Bei der Gentherapie stehen die Folgen der vorbereitenden Chemotherapie im Vordergrund, darunter Infektionen, Blutungsneigung und eine mögliche Unfruchtbarkeit.
Für diese Nebenwirkungen hat das Zentrum eine eigene Gruppe, die Immuno Task Force. Sie schätzt Ihr Risiko vorab ein und behandelt Nebenwirkungen früh. Vor der Behandlung sprechen die Ärztinnen und Ärzte ausführlich mit Ihnen darüber.
Munich Center for Cell and Gene Therapy
Leitung: Prof. Dr. med. Marion Subklewe
Sekretariat: Stefanie Grießhammer